Früher flüchtete man sich ins Kino, dann hinter den heimeischen Computer. Heute kann man sich in jeder Minute des Tages in seine Welt flüchten.

Die Content-Fülle, wenn nicht sogar Überschwemmung expandiert im Sekundentakt.
Früher war ich eine der wenigen weiblichen Schweizer Bloggerinen.
1999 mit einem Online-Tagebuch begonnen unter oberguru.ch war ich stolz der Welt meine teeny Gedanken zu teilen.
Heute, wo sich jeder Blogger nennt, heute wo jeder seine Babyfotos mit der Welt teilt, private Dinge in der Öffentlichkeit diskutiert, heute wo viele das Herz und die Gedanken auf der Zunge bzw. der Tastatur tragen, verändert sich unsere Gesellschaft.
Der Balance-Akt zwischen digitaler Welt und Offline gelingt mir immer besser. Digitale Aufrufe zum gemeinsamen am See chillen ist nur ein Gedanke….
Früher hätte ich angerufen und gefragt, heute können sich Freunde einfach einklinken. Es verändert sich.
Seit Elisa auf der Welt ist, geschieht bei mir vieles bewusst. Die ersten 6 Monate waren reflexion pur. Analyse der eigenen Handlungen stehen je länger je mehr im Vordergrund.
Das Frühstück mit iPad oder Handy Zeitungslesen wurde abgelöst durch Flugzeuggeräusche mit dem Löffel und Food in die Laderampe einfliegen.
Für unsere Tochter ist nicht klar, das wir Zeitung lesen, News konsumieren. Sie sieht einfach ihre Eltern am Handy rum fummeln.
Mein Dad las früher die Sonntagszeitung. Ein Teil der Zeitung ging zu Mami fürs Kreuzworträtzel, ein Zeitungs-Teil zur raschel & knitter Prüfung in meine kleinen Hände. Es war so normal Zeitung zu lesen. Denn jeder hatte was zu tun und ich als Kind sah, was meine Eltern da machten.
Heute, wo so viele Handlungen auf dem iPad & Co passieren, ist es nicht klar „WAS“ genau gemacht wird. Man sieht einfach DAS etwas gemacht wird.
Da 1 Gerät für viele Handlungen genutzt wird, wird daraus eine selbstverständliche „Volkskrankheit“.
Doch wenn wir ehrlich sind, machen wir das gleiche wie früher, einfach alles auf einem Gerät. Telefonieren, Navigieren, Briefe schreiben, Fotografieren, Filmen, die Liste ist endlos. So gezeigt auch letzthin in meinem Facebook-Stream:

Mein Gott eine Mutter mit Kinderwagen und Handy

Die Blicke verstörter Personen wenn ich via Google Maps auf dem iPhone meinen neuen Arzt suche, wenn ich Siri kurz ein paar SMS diktiere, wenn ich nachschauen muss im Kalender „Wann“ genau ich abgemacht habe. Niemand weiss was ich genau mache und warum ich genau jetzt ins iPhone schaue obwohl ich doch den Kinderwagen schiebe. Diese Leute sehen mich in genau dieses einen Situation und schliessen vielfach daraus dass ich wohl den ganzen Tag, trotzt Kind, am Handy hange. (Dazu ein Eye-Opener-Bericht mit dem Titel „An die Mutter, die auf dem Spielplatz in ihr iPhone starrt“.)
Ich persönlich versuche auch nicht von einer Situation auf ein Leben zu schliessen, dennoch wird es Tag täglich gemacht und manchmal erwische ich mich selbst dabei.
Manchmal frage ich mich, wie viel Content wir via Internet konsumieren und dabei vergessen das wir unseren persönlichen Offline-Content direkt vor der Haustüre hätten.
Das „Nachbars Garten ist immer schöner als der eigene“ wird zu einem Mantra für digitale Konsumation.
Manchmal aber auch braucht es genau den digitalen Content um den Offline-Content zu finden. Beispielsweise habe ich dank dem Internet entdeckt dass Dietikon einen Gemüsegarten für alle hat.

 

Früher sammelte man Bierkrüge zuhause, heute Bilder auf Pinterest

Warum heute bei jedem die Wohnung wie aus dem Katalog aussehen sollte, warum die Kinder ausschliesslich Dinge anziehen sollten die sonst neimand anderes trägt, warum man so erpicht darauf ist so viel besser zu sein als der Andere.. Ich hoffe die Welt kriegt sich hier wieder ein!
Anstelle unsere Energie in die digitale Konsumation zu stecken, sollten wir bewusst mal wieder etwas für unsere Welt tun. Ja genau einen Baum pflanzen :) #oderso
Man kann dies natürlich digital unterstützen, dennoch denke ich, braucht es auch wieder mehr Offline-Zeit. Mehr Energie die wir in unsere Umwelt und unsere Mitmenschen stecken.
Gerne würde ich den Internet-Konsum mit dem Rauchen vergleichen. Früher war es etwas das allt taten, heute ist meine Clique quasi Rauchfrei.
Irgendwann sind die ständig im Facebook-Hängenden vielleicht auch Aussenseiter? #nureingedanke
Was jetzt nun wie schlecht ist, sei dahin gestellt. Klar ist, spätestens mit Kindern sollte man sich ein paar Gedanken über sein digitales Verhalten machen. Und für die Geek-Parents unter euch schadet auch nicht ein „Social-Media Plan fürs Baby“ zu erstellen.
Unser Ziel für unsere Tochter Elisa ist es, den Spagat Zwischen iPad und Bauklötzchen zu schaffen. Sie soll einen Kasettenrekoder genau so kennen, wie die Brio Bahn und das iPad und ob Sie dann wirklich mit 3 programmieren lernt, werden wir alles zu seiner Zeit wissen.
Wenn Elisa ihre Passion im Pferde-Sport entdeckt dann freue ich mich als Mutter, dass mein Kind die Passion gefunden hat. Aber wenn Sie nach mir kommt, wird sie wohl viele kleine Passionen haben und ständig etwas neues entdecken wollen. ;)
In letzter Zeit denke ich einfach vermehrt daran warum wir unsere Welt so ausnehmen, kein Wunder flüchten wir in eine „andere“ Welt. Der Film Matrix den ich vor 15 Jahren gesehen habe und als absolute Fiktion gesehen habe, wird mehr und mehr zu einer beängstigend ähnlichen Realität. Die Flucht ins Digitale, weil wir nicht mehr gerne hin sehen. Klar schauen wir uns gerne die schönen Dinge im Leben an. Aber sterben wir alle irgendwann und müssen uns Fragen:
„Hätten wir die Orte die wir auf Pinterest gespeichert haben nicht lieber in Real-Life besucht?“

monah

Mein Name ist Monah Sorcelli.
Hier schreibe & filme ich über Gedanken, Geistesblitze, coole Gadgets, hilfreiche Tools und Dinge die das Leben neuer machen!

Viel Spass und <3-lichen Dank fürs lesen & Kommentieren!

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