Dieses Mail erreichte mich vor einigen Tagen. Verschickt durch einen guten Freund der in einer Bank arbeitet. #ups

Liebe Kundin, Lieber Kunde

Sie sind König. Wenn es Sie nicht gäbe, müssten wir den Laden dicht machen und würden auf der Strasse stehen. Deswegen sind wir angestellt um Sie zu bedienen, beraten und Hilfestellung anzubieten. Das Ganze wird zuweilen auch auf Seelsorger, Fremdenführer oder Auskunftsbüro ausgeweitet, aber das ist ok so. Wir bleiben freundlich, respektvoll und aufmerksam, denn das ist unser Job. Damit unsere Zusammenarbeit möglichst harmonisch abläuft und wir Ihnen genau diesen Service bieten können, gibt es allerdings ein paar Punkte, die wir Sie als Kunden im Gegenzug bitten, sich mal zu Gemüte zu führen und entsprechend zu berücksichtigen:

Vorab das Wichtigste in Kürze:

Wir sind hier in der Deutschschweiz. Wir sprechen, wie der Name schon verrät, Deutsch. Die meisten unserer Mitarbeiter sind zudem einer zweiten oder gar dritten Landessprache mächtig. Zudem wissen sich viele auch auf Englisch zu artikulieren. Sämtlicher sonstiger Kauderwelsch entzieht sich jedoch unserer Kenntnis, weswegen wir keine komischen und wild zusammengewürfelten Aussagen verstehen.

Unsere Landeswährung ist und war schon immer der Schweizer Franken. Alles, was mit einer Fremdwährungsüberweisung zu tun hat, ist in der Regel aufwändiger, teurer und dauert länger. Tut uns leid. An Bargeld haben wir Euros, US Dollar und Britische Pounds, da dies die gängigen Fremdwährungen sind. Alles andere müssen wir bestellen, da wir nicht 270 Landeswährungen an Lager bei uns bunkern können. Erwarten Sie ernsthaft, dass wir jede x-beliebige Feld-Wald-und-Wiesen-Währung einfach so auf Vorrat bei uns herumliegen haben?

Vor dem direktem Kontakt bitte beachten:

Es hat keinen Sinn, bereits ab 08:15 vor der Bank herum zu schleichen und die Angestellten böse anzustarren. Wir öffnen trotzdem erst um 09:00. Garantiert.

Wir drucken die Kontokärtchen nicht „just for fun“. Bitte halten Sie am Schalter immer Ihre Karte bereit. Die Kontonummer ist Ihnen NICHT auf die Stirn geschrieben.

Unterziehen Sie sich vor jedem Schalterbesuch einer ausgiebigen Körperreinigung. Vor allem wenn Sie Landwirt/in oder im Ramadan sind! Das Schalterpersonal ist Ihnen dankbar. Und auch wenn es sommerliche 30 Grad hat, zumindest ein Shirt darf es ja trotzdem sein, oder?

Falls Sie schon 10 min in der Schalterhalle warten müssen weil viele Leute da sind, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie am Schalter dann nicht noch 5 min. Ihre Kontokarte suchen.

Ebenfalls sind wir Ihnen dankbar, wenn Sie einfach akzeptieren, dass wir nichts dafür können, wenn neben Ihnen auch anderen Kunden die glorreiche Idee „Ach lass uns heute mal auf die Bank gehen und unnötige Transaktionen vornehmen, welche auch auf schriftlichem Wege oder elektronisch gelöst werden könnten“ in den Sinn kommt => Willkommen im 21. Jahrhundert, wo Bankomaten an jeder Ecke stehen und Internetbanking auf Grundschulniveau gehalten wird, so dass auch jeder Vollhorst seine Zahlungen erledigen kann.

Haben Sie es an einen Schalter geschafft:

Wenn Sie Informationen über ein Konto oder Bargeld beziehen möchten, sind wir verpflichtet, Ihre Identität zu überprüfen. Es liegt nicht an Ihnen oder daran, dass Sie eine Gaunervisage haben, es ist nicht weil Sie Araber, jüdisch, schwarz, schwul, weiblich, ein respektloser Rüpel, Sexist oder Sozialschmarotzer sind, es ist einfach unsere verdammte Pflicht und wir tun es bei jedem Kunden. Und zwar nicht, weil wir gerne Passfotos auf Identitätskarten bewundern, sondern weil es in Ihrem Interesse ist, dass die Bank hier ihre Sorgfaltspflicht wahrnimmt und nicht jeder mit Ihrer Karte an den Schalter kommen und erhalten kann, was er will. Im Übrigen ist die Polizei in der Schweiz authorisiert, ohne weiteres routinemässige Ausweiskontrollen vorzunehmen…wenn Sie also auf dem Weg zur Bank sind und wieder einmal keinen Ausweis dabei haben, können Sie die Masche mit dem Motzen, Maulen, Schimpfen und Fluchen, die ja bei Bankangestellten gerne zur Anwendung kommt, als Alternative bei den Herren in blau versuchen, mal sehen wieviel Spass die verstehen.

Wenn Sie Informationen über ein Konto oder Bargeld beziehen möchten, Teil 2: Wenn wir Sie fragen, ob Sie den Konto-stand bei einer Einzahlung gerne auf Ihrem Beleg ersichtlich haben möchten, dies verneinen oder es einfach nicht verstehen, weil Sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind, unterlassen Sie es bitte, nach der Transaktion „Wieviel Konto?“ zu fragen. Es ist mühsam.

Wir trinken alle gerne mal ein kühles Bier oder geniessen ein Glas Wein. Allerdings ist es nicht gerade prickelnd, um halb 10 Uhr morgens mit einer 2.80-Franken-Kochwein-Fahne angesprochen zu werden, weswegen wir all den Alkis, Penner und Crackhuren für die Verwendung eines Kaugummis zur Übertünchung derselben äusserst verbunden wären.

Wenn wir auf Ihre Frage „Wotsch froge s Kredit“ mit der Gegenfrage „Was möchten Sie denn dazu fragen?“ (und nicht „nö, wott ich nit, ich weiss eigentlich scho alles“ – das denken wir nur) antworten und von Ihnen nur „jo…s Kredit“ zurück-kommt, bringt uns das nicht weiter. „s Kredit“ ist erstens falsch und zweitens keine Frage, sondern einfach mal ein Substantiv. Abgesehen von einem „Grüezi wohl“ zu Beginn gehört zu einer Frage zumindest noch ein Verb.

Ähnlich verhält es sich mit der Frage „Willsch sage kostet Kurs?“. Hier haben wir zwar das oben bemängelte Verb, allerdings ist auch hier ein Nachhaken unsererseits unumgänglich. Um den ersten Punkt gleich zu klären: Ja, ich will, ich werde schliesslich bezahlt dafür. (Wir sind ja anscheinend auch bereits dick miteinander und können auf die völlig versteifte Stock-im-Arsch-„Sie“-Form verzichten). Trotzdem können wir nicht wissen, um welchen Kurs es sich denn handelt. Als erstes denkt man natürlich gleich an einen Deutschkurs, welcher aber nicht von uns, sondern von der Migros Klubschule angeboten wird. Da Sie sich aber wahrscheinlich nach dem Wechselkurs einer bestimmen Fremdwährung erkundigen möchten, wäre die Empfehlung, dies gleich von Anfang an in die Frage einzubauen.

Falls Sie Mühe haben, Ihren Speichel beim Sprechen bei sich zu halten, suchen Sie bitte eine Geschäftsstelle mit Panzerscheibe auf – ist auch dort einigermassen widerlich, aber immer noch eine ganze Ecke besser als selbst mit einer Ladung Sabber im Gesicht beglückt zu werden.

An unsere älteren Genossenschafter Punkt 1: Wir sind stolz, dass Sie schon 50 Jahre lang mit uns geschäften und sozusagen ein „Gründungsmitglied“ unsere Bank sind. Trotzdem können wir uns nicht von allen 16’000 Mitgliedern die Gesichter und Namen merken. Auch das Argument „Ich bin aber seit 20 Jahren bei dieser Bank“ ist durch die Tatsache, dass der Schalterangestellte selbst vor 20 Jahren noch in die Windeln gemacht hat, irgendwie hinfällig.

An unsere älteren Genossenschafter Punkt 2: Es tut uns aufrichtig leid, das Sie alle Ihre Familienmitglieder überlebt haben und nun ganz alleine sind. Trotzdem können wir uns aus zeitlichen Gründen nicht stundenlange Lagerfeuergeschichten von alten 2. Weltkrieg-Schlachtrössern anhören.

An unsere älteren Genossenschafter Punkt 3: wenn Sie etwa 5 Minuten brauchen, um Ihre Kontokarte oder den erfragten Ausweis aus den Tiefen Ihres Portemonnaies zu ziehen (meist sind es mehrere Etuis) und uns dann zittrig einen gültigen CH Fahrausweis vorlegen, bereiten Sie uns grosse Ängste, denn wir müssen beten, im Strassenverkehr nicht noch einmal auf Sie zu treffen.

Bei Vergütungen ins Ausland reicht der Name des Begünstigten NICHT aus. Leider haben wir keinen direkten Zugriff auf alle Bankdaten dieser Welt. Darum bringen Sie diese bitte vollständig mit.

Gefaltete Banknoten in Form von Hemden, Blümchen, Palmen etc. sind ein beliebtes Geschenk und sehen irre toll aus. Falten Sie selbige aber auseinander bevor Sie am Schalter stehen. Das geknubble mit dem Klebestreifen nervt ganz schön und kostet viel Zeit.

Banknoten Punkt 2: Liebe Kunden, unsere Frage „Wie hätten Sie die Noten gerne?“ sollten Sie nicht mit „gemischt“ oder „ist egal“ beantworten. Gemischt können Sie ihren Salat im Restaurant bestellen. Auf der Bank wird jeder Mitarbeiter Ihnen die Noten auf diese Antwort mit dem geringst möglichen Aufwand bereitstellen, ergo so gross wie irgend möglich. Und da Sie erfahrungsgemäss damit sowieso nicht zufrieden sind und noch 7 mal umtauschen wollen, wären wir froh, wenn wir eine etwas spezifischere Instruktion erhalten würden.

Wir sind leider keine Hellseher. Es ist also zwecklos, uns zu fragen, ob der Kurs der UBS-Aktie steigen wird oder der Euro-kurs noch tiefer fällt. Da die Glaskugeln verboten sind (ein entsprechender Vorstoss wurde seitens der Geschäftsleitung kategorisch abgelehnt!) und die Kaffee-Zukunftsdeutung noch nicht vollends ausgereift ist, bleibt auch uns ein Blick in die Zukunft verwehrt, kurzum: wir wissen es nicht. Und wenn wir es wüssten, hätten wir selbst entsprechend investiert und wären jetzt nicht hier, sondern lägen mit einem Mojito und einem Victorias Secret-Model auf unserer eigenen Insel in der Karibik und würden dem Nichtstun fröhnen.

Wenn Sie sich schon extra auf die Bank begeben, Geld beziehen und so oder so auf direkten Weg zur Post gehen, weil sie zu dumm für Internetbanking oder schriftliche Aufträge (UBS easy) sind, dann bitte bitte belasten Sie die Umwelt nicht noch zusätzlich mit der Bitte: „Chani es Couvert ha“. Wir nehmen stark an, dass Sie auch ohne Couvert fähig sein werden, die paar Meter zur Post zu gehen.

Bei einem Bargeldbezug von beispielsweise 800.- Franken dürfen Sie wie immer wählen, in welcher Stückelung Sie die Noten gerne hätten. Uns ist bewusst, dass Sie sich ein Herz fassen und sich irre lustig vorkommen, wenn Sie dies mit „einen Tausender“ beantworten. Haha. Ich schmeiss mich weg. Und die Tatsache, dass man diesen Erguss geistiger Tieffliegerei über Jahre hinweg mehrmals wöchentlich hört, macht die Sache leider auch nicht interessanter. Sie erhalten einfach Ihre 800 Mücken und können sich den Rest sparen.

Sonstige Kleinigkeiten:

Wenn Sie den Pin Ihrer Maestro-Karte 3x falsch eintippen, ist weder der Automat, noch wir, noch die Karte schuld. Dann sind Sie schlichtweg zu dämlich, um sich 4-6 Zahlen zu merken, welche Sie sogar in schriftlicher Form erhalten haben.

Immer schön aufpassen beim Bancomat. Erst dann weglaufen wenn Sie Geld und Karte haben!

Falls Ihre Maestro- oder Kreditkarte plötzlich gesperrt wird, tun wir das nicht weil es uns freut Sie zu ärgern, sondern weil Sie das Konto regelmässig überziehen. Deshalb würde es uns freuen, wenn Sie Ihren Unmut nicht am Schalterpersonal aus-lassen, sondern sich mal ein paar Gedanken zu Ihrer Budgetplanung machen und sich bei Bedarf professionelle Hilfe besorgen.

Geschätzter Kunde, Sie sind unser König aber verhalten Sie sich auch so, denn am Ende sitzen wir am längeren Hebel.

Ihre Bank

PS: Der Einfachheit halber ist dieser Knigge auf die jeweils männliche Form beschränkt. Die Redaktion bittet um Verständnis dafür und hofft, dass wir jetzt nicht irgendeine Feministinnen-Liga am Hals haben.

monah

Mein Name ist Monah Sorcelli.
Hier schreibe & filme ich über Gedanken, Geistesblitze, coole Gadgets, hilfreiche Tools und Dinge die das Leben neuer machen!

Viel Spass und <3-lichen Dank fürs lesen & Kommentieren!

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